Kirchliches Heim für Raubvögel
Das Tier des Jahres, der Turmfalke, darf fortan in der Nieder Christus-Kirche nisten


Turmfalken-Nistkasten Frankfurter Rundschau, 14.04.2007
Im Turm der Christus-Kirche in Nied ist seit kurzem ein Nistkasten für Turmfalken und Schleiereulen installiert. Jetzt hoffen die staatliche Vogelschutzwarte und die evangelische Gemeinde Nied auf baldigen Nachwuchs im Turm.

NIED. Die letzten Meter kann man nur über eine Leiter erklimmen. In luftigen 30 Metern Höhe befindet sich der neue Brutkasten mit einer tollen Aussicht über Frankfurts Skyline. Das ist nichts für Leute mit Höhenangst. Dafür fühlt sich der Turmfalke, Vogel des Jahres 2007, da droben umso wohler. Der 100 mal 70 Zentimeter große und helle Nistkasten hat Einflugmöglichkeiten in alle vier Himmelsrichtungen.

Hinter der eingebauten Trennwand allerdings befindet sich ein dunkler, labyrinthartiger Raum für nachtaktive Schleiereulen. Falls beide Tierarten in den Nistkasten einziehen, könnte es also zu einer spannenden Wohngemeinschaft kommen. Aber trotz der konträren Aktivitätszeiten ist das kein Problem. Hier gilt wie in anderen Wohngemeinschaften: Rücksicht ist alles.

Noch ist der neue Brutkasten im Kirchturm der evangelischen Kirche in Nied leer. Das wird sich aber hoffentlich in den nächsten zwei bis drei Wochen ändern. Denn von Mitte April an beginnt die Zeit der Eiablage der Turmfalkenweibchen. Meist legt ein Weibchen fünf oder sechs Eier. Nach rund einem Monat schlüpfen die kleinen Falken. Dann kann es noch mal bis zu sechs Wochen dauern, bis sie das Hotel Mama verlassen und flügge geworden sind.

70 Jahre Arterhaltung

"Wir wollen eine Lanze für diese Arten brechen" sagt Martin Hormann, stellvertretender Dienstleiter der staatlichen Vogelschutzwarte. Oft gebe es ein Akzeptanzproblem zwischen Mensch und Tier, bedauert Hormann. Seit 70 Jahren versucht die Vogelschutzwarte besonders im Frankfurter Stadtgebiet, Vogelarten wie Wander- und Turmfalken oder Schleiereulen wieder anzusiedeln und mit eigens dafür errichteten Brutkästen den Erhalt der Arten zu unterstützen. Turmfalke am Nistkasten "Moderner Vogelschutz bedeutet aber auch, das Verhalten der Tiere zu analysieren und darauf zu reagieren", sagt Hormann. Nur wenn man wirklich wisse, was die einzelnen Arten als Lebensraum benötigen, könne man sie schützen. Die Vogelschutzwarte verstehe ihre Arbeit auch als Vermittlung zwischen Mensch und Tier, sagt der Vize-Dienstleiter.

Konfliktpotenzial birgt oft das Jagdverhalten der Tiere. Zwar ernähren sich Turm- und Wanderfalken hauptsächlich von Mäusen. Es käme aber auch schon mal vor, dass junge Zuchttauben sehr zum Ärger der Züchter einem Falken zum Opfer fallen.

Dabei bietet Frankfurt mit seinem Grüngürtel besonders für Falken einen idealen Lebensraum. Besonders die vielen Freiflächen eignen sich für den Falken als Jagdgebiet. Im Rüttelflug in bis zu 300 Meter Höhe verharrt der Raubvogel in der Luft, dann stürzt er sich wie ein Stein vom Himmel. Die kleinen Nager verraten sich durch ihren Urin, den sie auf ihren Mäusestraßen hinterlassen. Der absorbiert das UV-Licht, durch das der Falke auf seine Beute aufmerksam wird.

Ungefähr 40 Turmfalkenpärchen sind momentan im Stadtgebiet beheimatet. Der Wanderfalke war lange Zeit in Hessen fast ganz verschwunden. Heute brüten wieder fünf bis sechs Paare am Stadtrand Frankfurts. Solche erfreulichen Ereignisse führt Hormann auch auf die gute Zusammenarbeit von Umweltamt und Vogelschutzwarte zurück. Ohne das private Engagement solcher Leute wie Ingolf Grabow, der die Falkennisthilfen baut und sie installiert, wäre der Artenschutz allerdings kaum möglich.
MELANIE LUKE



Was dem Mauersegler im Riederwald gefällt
Frankfurter Neue Presse, 10.04.2007
RIEDERWALD. Die Frankfurter Mauersegler-Initiative will die Vögel, denen sie sich verschrieben hat, bekannter machen. "Mauersegler im Riederwald - Lebensweise und Wege zu ihrem Schutz" lautet der Titel einer Informationsveranstaltung, zu der die Initiative am Donnerstag, 26. April 2007, ins Jugendhaus Riederwald einlädt.

Dass es ausgerechnet im Riederwald Mauersegler gibt, wundert die Vogelkundler kaum. Gerade Altbauviertel in Städten bieten den Vögeln, die ursprünglich Bewohner von Felsspalten und Baumhöhlen sind, geeignete Brutgebiete. Sie bauen ihre Nester an Dachtraufen, hinter Fallrohren, Lüftungsöffnungen und Stuckornamenten oder in unbenutzten Rolllädenkästen. Doch obwohl die Mauersegler unter Naturschutz stehen und ihre Brut nicht gefährdet werden darf, geht ihre Zahl zurück. Grund dafür sind laut der Initiative auch Bausanierungen, wie sie zurzeit auch im Riederwald vorgenommen würden. Der Platz für Nester geht dabei oft verloren. Doch Mauersegler sind ausgesprochen treu, brüten auch mal 15 Jahre am selben Ort. Dies sei, so die Initiative, ein Grund dafür, dass Hilfs- und Schutzmaßnahmen dringend erforderlich sind, wenn der Mauersegler auch weiterhin "als Sommerbote" in der Stadt bleiben soll.

Von ihrer Veranstaltung erhoffen sich die Organisatoren auch Hinweise zu bestehenden Nistplätzen. Sie möchten Hausbesitzer ermuntern, Nisthilfen an ihren Häusern anzubringen.



Wärmedämmung birgt Gefahren für Mauersegler
Frankfurter Rundschau, 23.04.2007
RIEDERWALD. Obwohl der Mauersegler unter Bundesnaturschutzgesetz steht, geht seine Anzahl dramatisch zurück. Wärmedämmungen bei Bausanierungen gefährden die Lebensweise des Vogels. Oft brütet er in Altbauvierteln der Stadt - in Dachtraufen, hinter Fallrohren und in Lüftungsöffnungen. Um das seltene Tier zu schützen, informiert die Frankfurter Mauersegler-Initiative am Donnerstag, 26. April 2007, 19 Uhr, über Lebensweise und Niststätten des Mauerseglers. Die Initiative stellt bei dem Vortrag außerdem Hilfs- und Schutzmöglichkeiten vor.



Mauersegler und Schwalben
Frankfurter Rundschau, 07.05.2007
SECKBACH. Wo sich sogenannte Gebäudebrüter wie Mauersegler und Schwalben tummeln und welche Nisthilfen es für dieses muntere Völkchen gibt, wird Ingolf Grabow von der Frankfurter Mauersegler-Initiative am Mittwoch, 9. Mai, 19 Uhr, im Rahmen eines kleinen Abendspaziergangs erzählen.



Mauersegler haben es nicht leicht beim Brüten
Umweltschützer geben Ratschläge für den Umgang mit Nistplätzen an Häusern

Frankfurter Rundschau, 9.05.2007
Rechtzeitig zum Eintreffen der Mauersegler in Frankfurt informierten Umweltschützer von BUND, Nabu und der Deutschen Gesellschaft für Mauersegler im Jugendhaus Riederwald über die Nistgewohnheiten der Vögel.

RIEDERWALD. Gerade im Riederwald ist wegen anstehender Sanierungsarbeiten an Altbauten durch den Volks-Bau- und Sparverein und die AGE Holding die Brut der unter Naturschutz stehenden Art gefährdet. Einfache Maßnahmen von Bewohnern und Bauleitern helfen den Tieren. Mauersegler

Sie sind bereits da, die gefiederten Nachbarn, die bis Ende des Sommers oftmals unbemerkt in den Dächern, Ecken und Kanten alter Bauten nisten. Ihre Nester befinden sich meist im Bereich der Dachtraufe, hinter Fallrohren, Lüftungsöffnungen, Stuckornamenten und unbenutzten Rollladenkästen. Sie nisten in Kolonien und bewegen sich in der Luft mit großer Schnelligkeit. Wegen ihrer sichelförmigen Flügel werden sie oftmals mit Schwalben verwechselt: Doch die mit den Kolibris verwandten Segler aus Südafrika, die ihrem Nistplatz über Generationen hinweg treu bleiben, leben "wie die Fische im Wasser" in der Luft, so Biologin Heidi Wieduwilt vom BUND. Ein Mauersegler schläft im Fliegen und sitzt niemals auf einem Ast. Die Luft verlässt er nur zum Brüten und Füttern.

So ein Leben mag sich mancher Mensch als anstrengend vorstellen, doch die Tiere werden im Durchschnitt doppelt so alt wie andere Vogelarten. Mit ihren messerscharfen Krallen können sie sich an Felsen und Häuser hängen. Brandwände, Löcher in der Mauer, Dachrinnen und vor allem Simskästen dienen den Mauerseglern als Brutstätten. Und die befinden sich auch in den verwaschenen Mauern der Riederwälder Arbeitersiedlung aus dem 19. Jahrhundert. "Bei einer Sanierung werden oftmals unabsichtlich die Einfluglöcher der Mauersegler zugebaut und damit die Jungvögel eingemauert. Netze an den Häusern verhindern den Einflug der Eltern zu den Jungen", erklärt Wieduwilt.

Naturschützer Ingolf Grabow vom Naturschutzbund steigt dann auch selber mal aufs Dach, um die Einflugstelle der pfeilschnellen Tiere zu identifizieren und dort künstliche Ersatzbrutkästen anzubringen. Die Kästen sind ab 15 Euro zu haben.

"Apartments" im Turm

Auch im Eschenheimer Turm befinden sich einige "Mauerseglerapartments" aus Holz. Brutmöglichkeiten bieten auch der Einbau von Niststeinen oder die Bohrung von Löchern in die Simskästen der Häuser.

Die Mauersegler seien ruhige, saubere Nachbarn, beruhigt der Tierexperte an diesem Tag die 14 Besucher, die fast allesamt fachkundig sind. Dass auch ein Vertreter der AGB da ist, freut die Veranstalter besonders. Die mutwillige Zerstörung der Brut und Nester ist verboten und Bauleiter sind meist kooperativ. Entdecken Einwohner eines sanierungsbedürftigen Hauses Mauersegler an ihrem Dach oder finden kranke Tiere, genügt ein Anruf bei den Tierschutzverbänden.

Kranke Mauersegler oder elternlose Jungtiere haben in Frankfurt bei der Tierärztin Christiane Haupt in Griesheim die Möglichkeit, gesund zu werden. In Spitzenzeiten werden auf ihrer Station 200 Jungtiere mit der Hand ernährt. Auch in den Altbauten von Höchst, Bornheim und dem Nordend nisten Mauersegler.

Die Lebensbedingungen für Vögel in einer Stadt sollen in Zukunft an der Situation der Mauersegler gemessen werden. "Solange die Segler da sind, wollen wir ihre Standorte kartieren und die Leute sensibilisieren", nennt Biologin Wieduwilt das Ziel. Aus diesem Grund bietet sie auch Spaziergänge im Riederwald an, bei denen die Vögel beobachtet werden. VOGELFREUNDE, die an solchen Touren Interesse haben, können sich bei Heidi Wieduwilt unter Telefon 302535 melden.

Andrea Schweiger



So fühlen sich Mauersegler bei uns wohl
Frankfurter Neue Presse, 15.05.2007
SECKBACH. Ende April kamen sie aus Afrika auch nach Seckbach zurück und suchten in den Ritzen und Gesimsen ihr Domizil auf - die Mauersegler leben unter uns von April bis Ende Juli. In der Zentgrafenstraße, der Leonhardsgasse oder der Wilhelmshöher Straße beziehen sie ihre Nester, vorzugsweise über dem zweiten Stock. Volker Rothenburg von der Naturschutzgruppe Seckbach des BUND erklärte bei einem Rundgang, dass Sanierungsmaßnahmen und neue Wandfarben, etwa die mit Lotus-Effekt, den Lebensraum der Vögel zerstören würden.

Hauseigentümer wüssten nicht, dass diese Farben den Lehm abperlen lassen, mit dem Mauersegler und Schwalben ihren Nistplatz bauen. Auch die angehobene Dachziegel, die Ritze zwischen Dach und Mauerwerk und die verschobene Holzlatte, könnten Nistplatz von Mauersegler, Schwalbe, Sperling oder Fledermaus sein, Heinz Schaan, der seinen BUND-Kollegen begleitete, plädiert deshalb für den "Mut zur Lücke" am eigenen Haus, zumal eine Ritze und der Nistplatz darin das Gebäude nicht schädigen würden. Das schindelverkleidete Haus sei eigentlich ein Biotop: Unter der Abdeckung hielten sich Krabbeltiere und Ungeziefer auf, "Die ideale Vorratskammer für brütende Vogel." Um die Hauswand vor dem Kot zu schützen, rät er, ein schmales Brett unterhalb des Nistplatzes anzubringen, wie es seine Tante in der Leonhardsgasse getan habe. Jedes Jahr freue sie sich über die zwei Mehlschwalben-Pärchen, die dort von April bis Oktober brüten.

Rothenburg wies darauf hin, dass diese Gebäudebrüter und deren Behausungen gesetzlich geschützt seien. Einen solchen Untermieter zu vertreiben, sei also sogar strafbar.

Außer an den bis zu 20 Tagen Brutdauer und der vierwöchigen Aufzucht leben Mauersegler ausschließlich in der Luft. Fliegend fangen sie Nahrung, fliegend schlafen sie. Dafür gehen sie auf etwa 2000 Meter Höhe und segeln sich in den Schlaf. Carl von Linne, Naturforscher im 18. Jahrhundert, klassifizierte den Mauersegler als "Apus apus", den ohne Füße. Er ist mit der Schwalbe nicht verwandt, dafür aber mit dem Kolibri. Mit einer Flügelspannweite von 40 Zentimetern und 40 Gramm Gewicht bringt er es auf 200 km/h. Damit ist er einer der schnellsten Vögel und bricht alle Rekorde in der Flugdauer.

Wissenschaftler schätzen, dass die Dauerflieger bis zu drei Jahren ununterbrochen in der Luft sein können. Wenn sie winters nach Südafrika fliegen, setzen sie dort keinen Fuß auf den Boden. Einzig in Europa lassen sie sich nieder, um Nistmaterial zu sammeln und die Brut aufzuziehen. Das machen die Eltern abwechselnd, schließlich müssen sie sich zwischendurch in den Schlaf fliegen.

Infos über die Gebäudebrüter und vogelschonende Sanierung bei Volker Rothenburg unter 94734186.



Gestatten, ich bin der jüngste Nieder


Frankfurter Neue Presse, 23.06.2007
Die Falkenküken tragen zunächst ein helles, fast weißes Dunenkleid. Es ist noch nicht sehr dicht und sie behalten es auch nur rund acht Tage. Dann bekommen sie ein graues und dichteres Federkleid.

NIED. Nachwuchs im Kirchturm: Vier Falken sind in Nied geschlüpft. Im vergangenen März hatte der Naturschutzbund (Nabu) im Turm der Christuskirche auf Wunsch des Kirchenvorstands einen Nistplatz für Turmfalken und Schleiereulen eingerichtet. Mit Erfolg, wie die Naturschützer nun feststellten. Bei einer Kontrolle entdeckten sie die vier Jungvögel in dem geräumigen Kasten. "Andernorts sind diese Greifvögel bereits ausgeflogen. Möglicherweise handelt es sich hierbei um ein noch junges, unerfahrenes Elternpaar, das aber dennoch glücklich den neuen Nabu-Nistplatz gefunden hat", sagt Ingolf Grabow vom Nabu. Als er die Kleinen fotografieren wollte, flüchteten drei Geschwister allerdings in den hinteren, dunklen Teil des Brutkastens, der für mögliche Schleiereulen vorgesehen ist. "So war nur ein Jungvogel mutig genug, sich fotografieren zu lassen", erzählt er. Grabow ist sehr zufrieden mit der Aufzucht: "Wir hatten kaum zu hoffen gewagt, dass der neue Nistplatz so schnell von einem Turmfalken-Paar angenommen wird." Etwa zwei Drittel aller Turmfalken ziehen laut Nabu ihren Nachwuchs in Brutnischen in Kirchtürmen auf. Der Turmfalke gilt als die häufigste Falkenart Europas und ist sogar "Vogel des Jahres" geworden. Von den etwa 50 bis 60 Brutpaaren des Vogels in Frankfürt haben allein im Nordwesten von Harheim bis Praunheim in diesem Jahr 14 Turmfalken-Paare erfolgreich gebrütet, hat Grabow beobachtet. Darunter eine Baumbrut und drei Bruten in Kirchtürmen: "Und Paar Nr. 15 lebt nun mit dem Nachwuchs in Nied in der Christuskirche."



Frieden für die Ferraris der Lüfte
Christiane Haupt pflegt hunderte Mauersegler

Frankfurter Rundschau, 28.06.2007
GRIESHEIM. Ein weißer Gardinendschungel trennt Flur und Tierstation. "Gandalf" und 37 andere Vögel verstecken sich heute unter Frotteetüchern in glatten Plastikkisten und machen keinen Pieps. "Gitterkäfige verletzen das Gefieder der Segler", erklärt Tierärztin Christiane Haupt. Sie behandelt in Griesheim verletzte Mauersegler, die vom Aussterben bedroht sind. Ihre Station ist einzigartig in Deutschland und inzwischen sogar in Neu-Guinea bekannt.

Vorsichtig holt sie einen Vogel aus dem Kasten und zeigt seine bereits verheilte Kopfverletzung. Sanft redet sie mit ihm, schiebt ihren Fingernagel zwischen den Schnabel und füttert das Tier mit "Heimchen": kleinen Insekten.

Niemand in Deutschland kommt so oft mit Mauerseglern in Berührung wie Christiane Haupt. Der 4000. Patient wurde kürzlich geröntgt, verarztet, gefüttert und erforscht. Zwanzig Stunden am Tag sitzt Haupt manchmal an ihrem Platz. Jeder Vogel will alle zwei Stunden acht Heimchen. Die lagern für den Sommer kiloweise tiefgefroren im Keller. Dieses Jahr ist der Vorrat knapp. "Wir brauchen dringend Spenden," sagt die Tierärztin. Voriges Jahr behandelte sie bis zu 200 Vögel am Tag, die Station platzte aus allen Nähten.

Es ist eine Leidenschaft

Ursprünglich arbeitet die Tierärztin als Grafikerin. Den Berufswechsel hat sie nie bereut. "Es ist eine Leidenschaft", sagt sie. Sie habe vor Jahren begonnen, als sie eine kranke Taube fand, und zur Pflegestation Gründau brachte. Als Ehrenamtliche machte sie dort Bekanntschaft mit Mauerseglern, war fasziniert von den "Ferraris der Lüfte". "Da wollte ich etwas tun und studierte Tiermedizin", erinnert sie sich. Bis 1994 behandelte sie die Vögel zu Hause, bis kein Platz mehr blieb fürs eigene Bett. Seither mietet sie eine extra Wohnung mit Probeflugraum. "Gandalf scheint es zu gefallen. Er dreht schon eine Runde.

Wer einen verletzten Mauersegler findet, kann sich unter der Nummer 0173/5604167 melden.

Andrea Schweiger



Junge Familie nistet erfolgreich im Kirchturm
Turmfalken-Paar zieht vier Jungtiere auf. Gutes Brutjahr für Greifvögel

Frankfurter Rundschau, 18.07.2007
NIED. Günstiger Wohnraum ist knapp in Frankfurt. Das wusste auch das Turmfalkenpärchen, als es im Frühjahr auf Wohnungssuche über Nied kreiste und auf einmal im Turm der Christuskirche sein Traumdomizil entdeckte: den "gut klimatisierten Neubau in gewachsener Umgebung mit unverbaubarem Blick" - ornithologisch korrekt: ein Nistplatz für Turmfalken und Schleiereulen. Junger Turmfalke Das Paar zog gleich ein, legte und pflegte Eier. Was heraus kam, beobachten die Nieder seit ein paar Tagen mit Staunen: Vier junge Falken umkreisen den Kirchturm, lassen sich mal auf dem umlaufenden Sandsteinsims, mal vor dem Einflugloch nieder und testen die Freiheit, um gleich wieder mit ihrem charakteristischen "Geck-geck-geck" nach Eltern und vor allem nach Futter zu rufen.

Den "Neubau", ein Holzkasten, baute übrigens der Naturschutzbund Deutschland (NABU) auf Wunsch des Kirchenvorstands dort im März. Diese Wohnraumförderung für junge Vogelfamilien verdankt sich nicht zuletzt auch der Ernennung des Turmfalken zum "Vogel des Jahres 2007". "Wir waren überrascht und haben uns gefreut, dass sich so schnell ein Paar eingenistet hat", erzählt Ingolf Grabow vom NABU. "Normalerweise dauert es zwei, drei Jahre, bis die Vögel einen neuen Platz entdecken und nutzen." Doch es war insgesamt ein gutes Falkenjahr. Experte Grabow hat zwischen Harheim und Praunheim allein 14 Greifvögel-Paare erfolgreich brüten sehen. Darunter fanden sich auch eine Baumbrut und drei Brüten in Kirchtürmen. Und jetzt die Nieder Falken als Nummer 15. "Insgesamt schätzen wir 50 bis 60 Brutpaare in ganz Frankfurt", sagt Grabow. "Vermutlich gab es viele Mäuse, so dass die Jungtiere alle groß wurden."

Nachdem das Paar sowieso zwei Wochen später dran war als die Artgenossen im Nordwesten, bleiben die Jungvögel in Nied nun noch rund 14 Tage bei den Eltern, schätzt Grabow. "Dann verstoßen die Alten die Jungen." Sie folgen nun ihrem angeboren Jagdinstinkt und warten, "rütteln", hoch in der Luft über abgemähten Wiesen, bis sie eine Maus erspähen und hinabstoßen. "Sie haben nicht nur sehr gute Augen, sondern erkennen auch anhand von ultravioletten Strahlen Urinspuren von Mäusen am Boden." Dass in Nied bald wieder eine Wohnung mit Skylineblick frei wird, wird sich inzwischen in Falkenkreisen schon herumgesprochen haben. Erfahrungsgemäß bleibt ein einmal entdeckter Nistplatz selten leer.



Ehrung für Unterschlupf
Christuskirche bietet Turmfalken eine Brutstätte

Frankfurter Rundschau, 06.10.2007
Wohnung frei in Alt-Nied: Die kleinen Turmfalken sind aus dem neuen Brutkasten im Turm der evangelischen Christuskirche an der Oeserstraße ausgeflogen. Jetzt will der Naturschutzbund (Nabu) den Eigentümer des Turmdomizils für sein uneigennütziges Engagement ehren.

"Wir werden der Gemeinde am Sonntag im Rahmen ihres Festes zum 100-jährigen Turm-Jubliäum eine Plakette überreichen", kündigt Ingolf Grabow vom Nieder Nabu an. Dazu sollen zwei Fotos die Gemeindemitglieder an ihre ersten Untermieter in luftiger Höhe erinnern. "Die Gemeinde hat ihren Kirchturm zum Lebensraum für Schleiereulen, Turmfalken und Fledermäuse gemacht", lobt der Naturschützer Grabow.

Der Nabu will mit der Aktion und einem Infostand noch weitere Nieder dafür gewinnen, Nischen und Mauerecken für die selten gewordenen Tierarten zur Verfügung zu stellen. Der Brutkasten im Kirchturm bleibt übrigens bestehen, "denn das Elternpaar kommt nun sicher im nächsten Frühjahr wieder, um zu brüten", ist Turmfalken-Experte Grabow überzeugt. Er wird die Plakette am Sonntag im Anschluss an den Gottesdienst verleihen, der um 10.30 Uhr beginnt.



Christuskirche erhält Vogelpreis

Höchster Kreisblatt, 11.10.2007
NIED. Der Kirchturm der Christuskirche, Alt-Nied 10, ist nicht nur Wahrzeichen für die Gemeindemitglieder, sondern auch Nistplatz für die seltenen Turmfalken. Aniasslich der Feier zum 100-jährigen Bestehen des Bauwerks zeichnete der Natur-Schutzbund (Nabu) die Gemeinde nun für ihr Engagement, im Artensenschutz aus. Nach dem Gottesdienst überreichte Ingolf Grabow, Falkenexperte des Nabu, eine Plakette und die Urkunde der Aktion, "Lebensraum Kirchturm" an Vertreter des Kirchenvorstandes. "Wir sind Ihnen sehr dankbar, dass sie den Falken in ihrem Turm eine Heimat gegeben haben".

Bereits im März 2007 schlossen sich die Nieder dem Aufruf des Nabu an und installierten auf ihrem Turm einen Nistkasten, der für Turmfalken und Schleiereulen ausgelegt ist. Die neuen Bewohner kamen schneller als erwartet: Nur einen Monat später hatte sich ein Falkenpärchen in Nied niedergelassen und zog in luftiger Höhe in diesem Jahr vier Junge auf. "Nun ist der Nachwuchs flügge geworden. Der Nistplatz bleibt aber bestehen, erklärte Grabow. Er rechne fest damit, dass das Falken-Pärchen im kommenden Frühjahr wieder kommt. Noch immer gingen die Bestandszahlen des Falken, der im Jahr 2007 zum Vogel des Jahres gewählt wurde, stetig zurück. Das liegt vor allem daran, dass es an Nistplätzen fehlt, aber auch an Futter." Der Falke ernähre sich vor allem von Mäusen und brauche freie Flächen, auf denen er diese jagen könne. "Dafür herrschen in Nied ideale Bedingungen".

Doch nicht nur den Turmfalken, auch Mauerseglern könnte der Kirchturm der Christusgemeinde Unterschlupf bieten. "Dafür müssten nur Brutkästen unter der Dachschräge befestigt werden", erklärte Grabow. Ob das möglich ist, soll nun mit dem Kirchenvorstand geklärt werden. Neben den Gemeinden könne aber auch jeder Hausbesitzer etwas für den Artenschutz gefährdeter Vögel in Frankfurt tun. "Viele Häuser sind heute hermetisch abgeriegelt, so dass die Tiere immer weniger Nistplätze finden." Ingo Grabow warb bei den Nieder Bürgern dafür, dies zu ändern. "165 Plätze haben wir schon geschaffen. Wir hoffen, dass es noch mehr werden," Weitere Informationen unter hessen.nabu.de



NABU dankt den Falken-Gastgebern

Frankfurter Neue Presse, 11.10.2007
NIED. Der Kirchturm der Christuskirche ist nicht nur Wahrzeichen der Gemeinde, sondern auch Nistplatz für die seltenen Turmfalken. Anlässlich der Feier zum 100-jährigen Bestehen des Bauwerks (wir berichteten), zeichnete der NABU die Gemeinde nun für ihr Engagement im Artenschutz aus. Nach dem Gottesdienst überreichte Ingolf Grabow, Falkenexperte des Naturschutzbundes (NABU), eine Plakette und die Urkunde der Aktion "Lebensraum Kirchturm" an Vertreter des Kirchenvorstandes. "Wir sind Ihnen sehr dankbar, dass sie den Falken in ihrem Turm eine Heimat gegeben haben."

Bereits im März 2006 schlössen sich die Nieder dem Aufruf des NABU an und installierten auf ihrem Turm einen Nistkasten, der für Turmfalken und Schleiereulen ausgelegt ist. Die neuen Bewohner kamen schneller als erwartet: Nur einen Monat später hatte sich ein Falkenpärchen in Nied niedergelassen und zog in luftiger Höhe in diesem Jahr vier Junge auf. "Nun ist der Nachwuchs flügge geworden. Der Nistplatz bleibt aber bestehen", erklärte Grabow. Er rechne fest damit, dass das Falken-Pärchen im kommenden Frühjahr wieder kommt. Noch immer gingen die Bestandszahlen des Falken, der im Jahr 2007 zum Vogel des Jahres gewählt wurde, stetig zurück. "Das liegt vor allem daran, dass es an Nistplätzen fehlt, aber auch an Futter." Der Falke ernähre sich vor allem von Mäusen und brauche freie Flächen, auf denen er diese jagen könne, "Dafür herrschen in Nied ideale Bedingungen."